Ballett mit Herzblut in der Fürther Stadthalle

Glanzvoll, temporeich, bunt: Das Herzogenauracher Ballettstudio Kreiner schafft es seit Jahren, die Fürther Stadthalle regelmäßig mit Ballettgalas zu füllen, weil hier fast routinemäßig eine große Portion Herzblut investiert wird. Am Wochenende war es wieder soweit.

Bei Hannelore Kreiner und ihrer Tochter Janine gibt es keine Dogmen, weder hinsichtlich des Repertoires noch bezüglich derer, die auf großen Bühnen vor Hunderten von Menschen tanzen dürfen. Das können ganz kleine Kinder ausder ab vier Jahren offen stehenden Tanzerziehung sein, Teenager und junge Erwachsene, die sich mit Hip Hop und Jazzdance auseinander setzen - und auch Damen reiferen Alters, die ein Faible für Stepp- oder Bauchtanz haben.

Was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass “Hungerhaken” bei dieser Gala klar in der Minderheit sind. Leider “verirren” sich mittlerweile offensichtlich aber auch fast keine männlichen Wesen egal welchen Alters mehr in die Kurse - die über zwei Dutzend Choreographien, die in Fürth gezeigt werden, sind fast ausschließlich Frauendomäne.

Dies tut der Qualität an sich keinen Abbruch. Nur schwierige Hebefiguren glänzen durch Abwesenheit, denn die gehen auf den Rückenwirbel und benötigen viel Kraft und Routine, die Amateure und Semiprofis in der Regel nicht in ausreichenden Maß haben.

Gleißende Effekte

Dafür gibt es Sprünge zu sehen, die auch bei Leichtathletik-Wettbewerben für vordere Plätze gut wären, gepaart mit spürbarerer Lust an virtuoser Körperbeherrschung, gleißenden Effekten - und dem Erzählen kurzer, prägnanter Geschichten. Da kommt ein Mädchen in den Saal getrippelt, memoriert laut die französischen Begriffe für bestimmte Tanzfiguren und macht per Zauberstab zur Filmmusik aus “Harry Potter” aus unsichtbaren Elevinnen kleine Primaballerinen, die mit Begeisterung ihre am Bühnenrand “geparkten” Balletschuhe überstreifen und sich in das Abenteuer “Tanz” mit all seinen Spielarten stürzen.

Das ist oft putzig - wenn die Kleinsten noch ein wenig unsicher ihre ersten Choreographien aufführen, - manchmal spektakulär, wenn bedrohliche “Spinnen” oder liebliche “Rosen” die Bühnenbretter bevölkern - und ab und an schwer beeindruckend. Etwa dann, wenn Maria Hofmeister, die seit Kindesbeinen tanzt, ein sehr individuelles Solo aufs Parkett legt. Oder wenn Sophia Scholl sich in einen Schwan verwandelt und mit einem schneeweißen Tutu für ein paar Minuten die großen Zeiten des Handlungsballetts, das Fin de siécle wieder auferstehen lässt.

Zum Schluss darf das begeisterte Publikum eine ausgiebige Brise Musical-Luft schnuppern und ein ebenso erotisches wie akrobatisches “Nonnenballett” genießen. Fragt sich eigentlich nur, wer aus der großen Tänzerinnenschaar eines Tages das geliebte Hobby zum Beruf macht. Einige Kandidatinnen standen jedenfalls in diesem Wochenende auf der Bühne.

Hans von Draminsik (NN Herzogenaurach, 13.10.2014)