Tanz-Gala mit großen Sprüngen

Das Ballett lebt. Die regelmäßigen Showabende des Herzogenauracher Ballettstudios Kreiner sind der greifbare Beweis. Füllen diese Events doch die Fürther Stadthalle in der Regel bis zum letzten Platz – mit spannenden Choreografien von klassisch bis zeitgenössisch und einer Riesenschar Mitwirkender.

Hannelore Kreiner und ihre Tochter Janine haben gut lächeln. Wenn man sich die Massen junger Ballett-Elevinnen auf der Stadthallenbühne ansieht, könnte man darauf kommen, dass Ballett dabei ist, zum Breitensport zu werden.

Ganz so ist es freilich nicht. Zum Einen fehlt – leider auch bei dieser feinen Gala – der männliche Nachwuchs. Und zum Anderen sind es wohl nur ganz wenige, die später das Tanzen zu ihrem Beruf machen. Zu schlecht die Jobaussichten, zu karg die Bezahlung und zu klein das Zeitfenster, in dem eine Profikarriere über die Bühne gehen kann.

 Als intensiv betriebenes Hobby taugt Balletttanz aber fraglos gut und findet auch Zuspruch. So finden sich beispielsweise im Jazztanz-Ensemble des „Ballettstudio Kreiner“ auch „gestandene Frauen“, die das Teenageralter hinter sich haben, aber dank Körperkontrolle und sichtbar solider Ausbildung einen durchaus überzeugenden Eindruck hinterlassen.

Auch Bauchtanz

Bei den gelungenen Bauchtanz-Einlagen – auch diese urorientalische Form der Bewegung zur Musik kann man bei den Kreiners lernen – sind etwas üppigere Körpermaße sogar Voraussetzung: Dürre „Supermodels“ wären hier falsch.

Will man allerdings wie Janine Kreiner in ihren spektakulären Soli die Schwerkraft wenigstens virtuell aufheben und im wahrsten Wortsinn große Sprünge machen, sollte man schon durchtrainiert sein.

Davon sind die Kids aus der Tanzerziehung noch ein ganzes Stück entfernt. Immerhin zeigen sie bei ihren von Janine Kreiner entwickelten „Länderchoreografien“ auf nationaltypische Ballettmusik von Ungarn bis Amerika, wohin auch kleine Kinder bei fundierter Grundlagenarbeit gebracht werden können. Dass manche ihre Schritte noch nicht 100-prozentig beherrscht oder stehen bleibt, wenn die anderen längst von der Bühne getrippelt sind, gehört dazu, ist inszenierter Gag.

Dass sich Jugendliche für ganz andere Tanzformen interessieren, macht der HipHop-Block klar, in dem es clubmäßig rasant zur Sache geht und die Füße der Zuschauer ganz schnell mitwippen. Richtig groovig wird es beim Herrenballett der „Blues Brothers“ – und der Humor kommt bei den schrägen Sonnenbrillenträgern auch nicht zu kurz.

Am Ende steht Jazzdance für Fortgeschrittene – schnell, grell erotisch und sehr spektakulär. Janine Kreiner und ihr Ensemble heben ab, trotzen den Gesetzen der Physik und Biologie und verströmen Faszination pur. Mitreißend.