Tanztheater erzeugt Gänsehaut

Zwei Jubiläumsgalen des Herzogenauracher "Ballett-Studio-Kreiner" in Fürth - Die Anziehungskraft des Tanzes scheint ungebrochen zu sein: Am Wochenende füllte das Herzogenauracher „Ballett-Studio-Kreiner“ bei seinen Jubiläumsgalen problemlos zwei Mal die Fürther Stadthalle mit einer Vielzahl von Gästen – und auch an Mitwirkenden auf der Bühne war kein Mangel.

Zwei mitreißende Jubiläumsgalen präsentierte das Herzogenauracher „Ballett-Studio-Kreiner“ in der Fürther Stadthalle. Alle Beteiligten zeigten ein hohes Maß an Können.
Foto: Draminski Zwei mitreißende Jubiläumsgalen präsentierte das Herzogenauracher „Ballett-Studio-Kreiner“ in der Fürther Stadthalle. Alle Beteiligten zeigten ein hohes Maß an Können.

Das auffallend bunte Programm dieser getanzten 25-Jahr-Feier verrät die Breitbandigkeit, mit der sich das „Ballett-Studio-Kreiner“ in den letzten Jahren aufgestellt hat: Hannelore Kreiner und ihre Tochter Janine vermitteln nicht nur die Grundlagen des klassischen Handlungsballetts, sondern verstehen sich genau so gut auf Jazz- und Musicaltanz. Auch Stepp- und sogar Bauchtanz sind inzwischen im Angebot.
Und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Die Choreografien, die Mutter und Tochter in Fürth zeigen, sind so fantasievoll wie ausgefeilt, sind so individuell entworfen, wie sie akribisch (und liebevoll) umgesetzt werden.

Schmunzeln über die Kleinen

Schon die Kleinsten dürfen sich an feinen Nummern wie dem „Tanz der Mohrensklaven“ aus Giuseppe Verdis Wüsten-Oper „Aida“ oder an vertanzter Filmmusik aus der „Fabelhaften Welt der Amélie“ versuchen. Ballett, das wie in alter Zeit Geschichten erzählt, Emotionen weckt und angesichts der herzerfrischend natürlichen Tapsigkeit der Tänzerinnen im frühen Grundschulalter auch schmunzeln macht.

Während sich die Basisarbeit sichtlich auf Grundfiguren und erste Fouettées beschränkt, geht es bei den Jugendlichen schon anders zur Sache: Hier dürfen es gerne anspruchsvollere Konzepte sein, wie sie Hannelore Kreiner beispielsweise bei Peter Tschaikowskys „Danse napolitaine“ oder Janine Kreiner bei Leon Minkus’ bekannter „Paquita“ verfolgt. Akrobatische Sprünge gehören in dieser Klasse ebenso dazu wie der fließende Übergang in den Spagat oder die sichere Körperbeherrschung beim Spitzentanz.

25 Jahre Tanz: Herzogenauracher Ballett-Studio feiert Jubiläum

Dies ist sichtlich schweißtreibender Leistungssport – und dennoch bleibt Platz für Poesie, für lyrische Momente mit Gänsehaut-Potenzial. Wenn Janine Kreiner Herbert Grönemeyers nachdenkliche Ballade „Letzter Tag“ als Solo kredenzt, dann ist das ganz großes, immens ausdrucksstarkes Tanztheater mit vielen Zwischen- und Untertönen, die von der erst 23-jährigen Royal-Academy-Tanzpädagogin in lockerer Selbstverständlichkeit über die Bühnenrampe gebracht werden.

Der Rest des Abends gehört spektakulären Choreografien, die mitreißen, weil ihnen jegliche Erdenschwere fehlt. Zum Beispiel Jacques Offenbachs fröhlich frivolem „Can Can“ aus „Orpheus in der Unterwelt“. Oder der knallbunte „Technicolor Dreamcoat“ auf Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical „Joseph“.

Oder jene von Mutter und Tochter Kreiner gemeinsam choreographierte Opern-Paraphrase „Carmen Cubana“, die aus George Bizets Zigeunermädchen eine wilde Latina-Hexe macht, erotisch und unwiderstehlich. Ein Highlight — nicht nur für Tanzfreaks
von Hans v. Draminski