Spagat zwischen Stress und Spaß

Gala der Herzogenauracher Ballettschule Kreiner in Fürth - Einmal im Jahr stemmt das private Ballettstudio Kreiner aus Herzogenaurach eine große Tanzgala, die am vergangenen Wochenende wieder einmal zugkräftig genug war, um an zwei Vorstellungstagen die große Fürther Stadthalle zu füllen. Stress und Spaß halten sich hier die Waage, wie ein Blick hinter die Kulissen des großen Ereignisses zeigt.

Konzentriert, aber nie verbissen und ein Augenschmaus für das Publikum

Die gelungene Gala der Ballettschule Kreiner in der Fürther Stadthalle

Im Foyer der Stadthalle herrscht großes Gewusel, die Anspannung scheint fast mit Händen greifbar: Kinder, Jugendliche und Erwachsene fiebern gemeinsam dem Auftritt entgegen.

Auch Hannelore Kreiner, die Chefin des "Ballettstudio Kreiner", hat eine Stunde vor Vorstellungsbeginn alle Hände voll zu tun. Die Gästeliste will noch einmal ergänzt sein, zwischendurch begrüßt die Choreografin, Tänzerin und Tanzpädagogin Freunde und Sponsoren, gibt Ballettelevinnen letzte Ratschläge und beruhigt ihr Ensemble durch ihre bloße Anwesenheit.

"Die kleinsten unserer Schülerinnen sind vier, die Ältesten zum Teil schon über vierzig", verrät Hannelore Kreiner. Rund 250 Mitwirkende zählt die Gala, wobei es bei dieser Produktion keine Trennung zwischen Tänzerinnen und Team gibt - "alle packen mit an", meint Hannelore Kreiner mit stolzem Lächeln.

Während sich andere Ballettschulen häufig nur als "Durchlauferhitzer" und Karriere-Sprungbrett für professionelle Tanzkarrieren verstehen, wirkt der Umgangston bei Kreiner deutlich familiärer, was wohl auch an der Ausrichtung als Hobby-Bildungseinrichtung liegt. "Deshalb bleiben die Leute meistens bei uns und verlassen uns nicht in Richtung große Bühnen", erzählt Hannelore Kreiner.

Auf die Qualität der Ausbildung hat diese Einstellung freilich keine Auswirkungen. Hannelore Kreiner ist Mitglied im Deutschen Berufsverband für Tanzpädagogik, ihre Tochter Janine, die bei der Gala einige spektakuläre Soli vorführt, sogar geprüfte Pädagogin der Royal Academy in London.

Eine Art gesunder Familiengeist, der auch bei der gut zweieinhalbstündigen Gala auf der großen Bühne deutlich spürbar wird. Die großen und kleinen Tänzerinnen wirken konzentriert, aber nicht angespannt, ernsthaft, aber nie verbissen - obwohl manche der fast 30 Choreografien, die an diesem Abend gezeigt werden, doch ziemlich anspruchsvoll sind.        

Dennoch steht hier der Freizeit-Faktor im Vordergrund. "Ich bin dabei, weil es einfach Spaß macht, die Choreografien, die Kombinationen, das Auf-der-Bühne-Stehen", sagt Kerstin Steyskal. Die 19-jährige Herzogenauracherin tanzt, seit sie sechs Jahre alt ist. Rund drei Stunden in der Woche "opfert" sie beim Ballettstudio für Lektionen in Jazztanz und Ballett. Ihre Freundin und Ensemblekollegin Magdalena Hösch ergänzt:"Bei uns steht jeder für jeden ein."

Will das "Ballettstudio Kreiner" doch hier nicht nur Auftrittsgelegenheit geben, sondern sichtlich auch seine Leistungsfähigkeit und Bandbreite unter Beweis stellen. Und so spannt sich der stilistische Bogen in größter Selbstverständlichkeit vom klassischen Handlungsballett auf Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky oder Jacques Offenbach über die eindrucksvoll vertanzte Neo-Archaik eines Carl Orff bis zu zeitgemäßem Pop und HipHop.

Am Schluss steht eine fantasievolle Adaption der Audition-Szene "I hope I get it" (zu deutsch "Ich hoffe, ich schaffe es") aus dem Musical "A Chorus Line" - eine durchaus symbolisch zu verstehende Nummer, deren bange Erwartungshaltung ihre Auflösung im tosenden Applaus des Publikums findet.

Weitere Infos beim Ballett-Studio Kreiner, Einsteinstraße 9, 91074 Herzogenaurach, Telefon (09132) 2275.
 
von Hans v. Draminski